Alexander und die Welt des Neuen Testaments

Hier lernst du

  • warum Alexander für die spätere Welt Jesu wichtig war
  • wie Griechisch die Menschen und ihre Schriften verband
  • wer Judäa nacheinander beherrschte

Eine Welt mit vielen Stimmen

Fremdwörter dieser Seite
WortDas heißt hier
ZeitgeschichteSie fragt, was früher wann, wo und unter welchen Lebensbedingungen geschah.
DiasporaJüdische Gemeinschaften, die außerhalb des Landes Israel lebten.
HellenismusDie Zeit und Welt, in der griechische Sprache und Kultur weit verbreitet waren und sich mit anderen Kulturen verbanden.
HellenisierungDie Ausbreitung und Übernahme griechischer Sprache und Kultur.
KoinéEine gemeinsame Form des Griechischen, mit der Menschen aus verschiedenen Gegenden sprechen konnten.
SeptuagintaDie alte griechische Übersetzung jüdischer heiliger Schriften. Zuerst wurde die Tora übersetzt.
ToraDie fünf Bücher Mose: ein wichtiger Teil der jüdischen heiligen Schriften.
DiadochenDie Nachfolger Alexanders, vor allem seine Feldherren, die nach seinem Tod um die Herrschaft kämpften.
AntigonidenEine Königsfamilie, die nach Alexander vor allem in Makedonien herrschte.
PtolemäerEine Königsfamilie in Ägypten, die zeitweise auch Judäa beherrschte.
SeleukidenEine Königsfamilie, deren Reich große Teile Westasiens umfasste; sie beherrschte später auch Judäa.
MakkabäerEine jüdische Familie, die den Widerstand gegen die seleukidische Herrschaft anführte.
HasmonäerDie jüdische Herrscherfamilie, die aus der Bewegung der Makkabäer hervorging.
AnekdoteEine kurze Erzählung über eine Person. Sie kann einen wahren Kern haben, ist aber nicht automatisch bewiesen.
ProvinzEin Gebiet, das zu einem größeren Reich gehört und von ihm verwaltet wird.
KlientelkönigEin König, der in seinem Land regiert, aber von einer stärkeren Macht abhängig ist.
AramäischEine Sprache, die in Jesu Heimat gesprochen wurde.

Jesus lebte unter römischer Herrschaft. Doch viele Menschen sprachen Griechisch. Jüdische Familien lebten in Judäa und in anderen Ländern.

Wie kam es dazu? Wir gehen Schritt für Schritt zurück und dann wieder nach vorn.

fragt nach Zeit, Ort und Leben der Menschen. Ein Herrscher, eine Sprache und ein Glaube konnten zur selben Zeit den Alltag prägen.

Erst Persien, dann Alexander

Vor Alexander herrschten die Perser über ein großes Reich. Dazu gehörte auch Judäa. Persien lag im Gebiet des heutigen Iran.

Alexanders Vater Philipp II. war König von Makedonien. Er wurde 336 v. Chr. ermordet. Sein Sohn Alexander war damals etwa 20 Jahre alt und wurde König.

333 v. Chr. besiegte Alexander den Perserkönig Dareios III. bei Issos. Später eroberte er Ägypten. 331 v. Chr. gründete er Alexandria und gewann bei Gaugamela einen entscheidenden Kampf gegen Persien.

Alexanders Lehrer war Aristoteles. Er brachte ihm griechische Bildung nahe. Wie stark sein Unterricht Alexanders spätere Entscheidungen prägte, wissen wir nicht sicher.

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Sechs Comicfelder: Alexander zieht nach Persien und Ägypten. Später verständigen sich Menschen auf Griechisch. Menschen aus Ägypten, Judäa und Persien behalten zugleich eigene Bräuche und Schriften.

Aber: Alexander machte nicht alle Menschen zu Griechen. Ihre eigenen Sprachen und Bräuche blieben vielerorts lebendig.

Was blieb von Alexanders Zug?

Alexander starb 323 v. Chr. in Babylon, mit 32 Jahren. Die genaue Todesursache ist unbekannt.

Sein Heer hatte viele Länder verbunden. Menschen, Waren, Ideen und Sprachen trafen aufeinander. Griechische Sprache und Kultur breiteten sich aus. Das heißt . Die lange Zeit dieser Begegnungen heißt .

Handel, Städte und Wege verbanden die Gegenden. Die genaue Zahl der von Alexander gegründeten Städte ist umstritten. Alexandria in Ägypten wurde später besonders wichtig.

Die gemeinsame griechische Sprachform hieß . Sie war nicht bloß einfaches Griechisch. Sie entstand aus älteren griechischen Formen. Menschen mit unterschiedlichen Muttersprachen konnten sich damit verständigen.

Was verbreitete sich? Was blieb zugleich bestehen?

Ein Buch bekommt eine neue Sprache

Viele jüdische Menschen lebten fern von Judäa. Das heißt . Manche von ihnen sprachen vor allem Griechisch.

Darum wurden jüdische heilige Schriften ins Griechische übersetzt. In Alexandria begann man im 3. Jahrhundert v. Chr. mit der , den fünf Büchern Mose. Weitere Schriften folgten später. Die griechische Sammlung heißt .

Alexander selbst gab diese Übersetzung nicht in Auftrag. Sie begann nach seinem Tod. Später schrieben die Verfasser des Neuen Testaments auf und nutzten auch die griechischen jüdischen Schriften.

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Sechs Comicfelder: In Alexandria versteht ein Mann eine hebräische Schriftrolle nicht. Übersetzer schreiben sie auf Griechisch. Viel später liest ein Mann die griechische Schrift neben dem Neuen Testament und erinnert daran, dass Alexander längst tot war.

Aber: Eine gemeinsame Sprache bedeutete nicht, dass alle Menschen denselben Glauben oder dieselben Bücher hatten.

Wem gehörte Alexanders Reich danach?

Nach Alexanders Tod kämpften seine Feldherren um die Macht. Diese Nachfolger heißen . Sie waren meist nicht seine Kinder.

Aus den Kämpfen entstanden mehrere Reiche. Für Judäa sind zwei Familien besonders wichtig: die in Ägypten und die mit einem Machtzentrum in Syrien. Daneben herrschten die in Makedonien.

Zuerst stand Judäa lange unter den Ptolemäern. Um 200 v. Chr. gewannen die Seleukiden die Herrschaft. Judäa lag zwischen Ägypten und Syrien; beide Seiten wollten die wichtigen Wege dort kontrollieren.

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Sechs Comicfelder: Nach Alexanders Tod greifen drei ovalköpfige Feldherren nach seinem Reich. Ptolemäer aus Ägypten und Seleukiden aus Syrien streben nach Judäa. Um 200 vor Christus wechselt dort die Herrschaft.

Aber: Die Grenzen verschoben sich oft. Die Reiche entstanden nicht alle an einem einzigen Tag.

Das erste Makkabäerbuch erzählt ebenfalls von Alexander und seinen Nachfolgern. Es ist ein alter Text mit eigener Sicht auf diese Geschichte.

Judäa wechselt die Herrscher

Unter dem Seleukidenkönig Antiochos IV. kam es zum Streit um jüdische Gesetze und den Tempel. Ab 167 v. Chr. wehrten sich die . Aus ihrer Bewegung entstand später die Herrschaft der .

63 v. Chr. griff Rom in Jerusalem ein. Viel später regierte Herodes der Große als von Rom abhängig. Zur Zeit Jesu standen Teile des Landes unter seinen Nachfolgern, andere unter römischen Statthaltern.

Eine ist ein Gebiet, das ein größeres Reich verwaltet. Nicht ganz Judäa war schon zur Zeit des Herodes eine einheitliche römische Provinz. Die Verwaltung änderte sich.

ZeitWer herrschte in Judäa?Was geschah?
bis etwa 200 v. Chr.Herrschaft von Ägypten aus
ab etwa 200 v. Chr.Herrschaft von Syrien aus
ab 167 v. Chr.Widerstand gegen seleukidische Eingriffe
2. und 1. Jh. v. Chr.jüdische Selbstherrschaft
ab 63 v. Chr.Romwachsender römischer Einfluss
37–4 v. Chr.Herodes der Großevon Rom abhängiger König
70 n. Chr.römisches HeerZerstörung des Tempels in Jerusalem
132–135 n. Chr.RomBar-Kochba-Aufstand

Die spätere oströmische Zeit begann erst Jahrhunderte nach Jesus. Sie gehört zur langen Geschichte der Region, nicht mehr zur Entstehungszeit des Neuen Testaments.

Lege die Herrscher in die richtige Folge

Nutze die Tabelle darüber. Die Zahlen helfen dir beim ersten Versuch; danach klappt es vielleicht schon ohne sie.

Wer bestimmte in Judäa zuerst, wer später?

Drei Sprachen, viele Menschen

Als Jesus lebte, bestimmten die Römer die Politik. Griechisch verband viele Städte. Jüdischer Glaube und jüdische Feste prägten das Leben vieler Menschen. Auch wurde gesprochen.

Das Neue Testament zeigt diese Mischung an kleinen Stellen:

BibelstelleWas sehen wir?
Johannes 19,20Die Kreuzesinschrift steht in Hebräisch, Latein und Griechisch.
Apostelgeschichte 9,36Eine Frau hat einen aramäischen und einen griechischen Namen: Tabita und Dorkas.
Apostelgeschichte 16,1–3Timotheus hat eine jüdische Mutter und einen griechischen Vater.
Apostelgeschichte 21,37Paulus spricht Griechisch.
Apostelgeschichte 22,25–29Paulus beruft sich auf sein römisches Bürgerrecht.

Johannes 19,20 · Apostelgeschichte 9,36 · Apostelgeschichte 16,1–3 · Apostelgeschichte 21,37 · Apostelgeschichte 22,25–29

Die Entstehung der neutestamentlichen Schriften zog sich über Jahrzehnte. Genaue Jahreszahlen sind bei vielen Büchern umstritten. Die Seite über die drei ähnlichen Evangelien findest du bei den passenden Lernseiten.

Eine Stadt an vielen Wegen: Ephesus

Ephesus war eine große Stadt im Westen Kleinasiens. Dort gab es Handel, griechische Bildung und den berühmten Tempel der Artemis. Später spielte die Stadt auch im frühen Christentum eine Rolle.

Eine erzählt: Der Tempel brannte in der Nacht von Alexanders Geburt. Artemis konnte ihn angeblich nicht schützen, weil sie bei seiner Geburt war. Jahre später soll Alexander Geld für den Neubau angeboten haben. Die Leute aus Ephesus lehnten geschickt ab: Ein Gott baue doch keinem anderen Gott einen Tempel.

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Sechs lebendige Comicfelder: Der Artemis-Tempel brennt. Ein ovalköpfiger Mann fragt, wo Artemis war. Die antike Erzählung setzt sie bei Alexanders Geburt ein. Später bietet Alexander Geld für den Tempel; die Epheser lehnen mit einer schmeichelnden Antwort ab.

Aber: Das ist eine alte Erzählung, kein Beweis für jedes Detail. Sie zeigt, wie Menschen über Alexander und ihre Götter sprachen. Strabon überliefert die Antwort der Epheser in seiner Geographika 14,1,22.

Noch eine Erzählung: zwei Männer namens Alexander

Ein junger Soldat hieß wie sein König: Alexander. Plutarch erzählt, der König habe ihn vor einem Angriff ermutigt, auch wegen seines Namens mutig zu sein.

Der junge Mann kämpfte und fiel. Der König war traurig. So endet die Erzählung bei Plutarch, Alexander 58,5.

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Sechs spannende Comicfelder mit breiten ovalen Gesichtern: Ein Soldat Alexander zögert. Der König Alexander ermutigt ihn. Der Soldat greift an, fällt im Kampf, und der König trauert.

Aber: Der berühmte Satz „Ändere deinen Namen oder dein Verhalten“ steht nicht so in dieser Plutarch-Stelle. Und dass Plutarch etwas erzählt, beweist noch nicht, dass es genau so geschah.

Auch die Geschichte, Alexander habe in Jerusalem vor dem Hohepriester gekniet, ist eine spätere Erzählung bei Flavius Josephus in den Jüdischen Altertümern 11. Für einen solchen Besuch fehlt ein sicherer unabhängiger Beleg. können zeigen, wie Menschen einen Herrscher sehen wollten.

Alles hängt zusammen

Alexander eroberte weite Gebiete. Griechisch verbreitete sich. Jüdische Schriften wurden übersetzt. Nach Alexanders Tod wechselte in Judäa die Herrschaft. Zur Zeit Jesu bestimmte Rom die Politik, während Menschen viele Sprachen und Bräuche miteinander teilten.

Löse die Aufgaben. Du kannst es jederzeit noch einmal versuchen.

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