Die synoptischen Evangelien
Hier lernst du
- warum Matthäus, Markus und Lukas zusammengehören
- sieben Ideen dazu, woher ihre ähnlichen Geschichten kommen
- warum Q und Deuteromarkus Vermutungen sind
Drei Bücher über Jesus
Fremdwörter
| Wort | Das heißt hier |
|---|---|
| Evangelium | Heißt „gute Nachricht“: Jesu Botschaft von Gott. So heißen auch die vier Bücher über Jesus. |
| synoptisch | Man kann die drei Bücher gut nebeneinander anschauen und vergleichen. |
| synoptisches Problem | Die Frage, wie die vielen Gemeinsamkeiten und Unterschiede der drei Evangelien entstanden. |
| Hypothese | Eine mögliche Erklärung, die man prüfen muss. |
| Urevangelium | Ein vermutetes erstes Buch, das alle drei Schreiber genutzt haben könnten. |
| Urevangeliumshypothese | Die Idee: Alle drei Evangelien nutzten ein älteres gemeinsames Buch. |
| Aramäisch | Eine Sprache, die in Jesu Heimat gesprochen wurde. |
| Diegese | Ein kleiner geschriebener Bericht oder eine Erzählung. |
| Diegesenhypothese | Die Idee: Aus vielen kleinen geschriebenen Berichten entstanden die Evangelien. |
| Fragmentenhypothese | Ein anderer Name für die Idee mit vielen kleinen geschriebenen Berichten. |
| Perikope | Ein einzelner Abschnitt einer biblischen Geschichte. |
| Tradition | Eine Geschichte wird von Menschen weitergegeben. |
| Traditionshypothese | Die Idee: Zuerst wurden die Geschichten weitererzählt, später aufgeschrieben. |
| Benutzungshypothese | Die Idee: Ein Schreiber las und nutzte ein schon fertiges Evangelium. |
| Priorität | Hier die Frage: Welches Evangelium wurde zuerst geschrieben? |
| markanisch | Das gehört zu Markus oder zu seinem Evangelium. |
| Markuspriorität | Die Idee, dass das Markusevangelium zuerst geschrieben wurde. |
| Stoffquantum | Wie viel Inhalt ein Buch enthält. |
| Zweiquellentheorie | Die Idee, dass Matthäus und Lukas zwei gemeinsame Quellen nutzten. |
| Q | Q steht für Quelle: ein vermuteter, nicht gefundener Text. |
| Logien | Worte und Sprüche Jesu. |
| Logienquelle | Der vermutete Text Q, in dem vor allem Worte Jesu gestanden haben könnten. |
| Sondergut | Eine Geschichte, die nur eines der drei Bücher erzählt. |
| Sabbat | Der wöchentliche Ruhetag im Judentum. |
| Minor Agreements | Kleine gemeinsame Änderungen von Matthäus und Lukas an einer Geschichte aus Markus. |
| Major Agreements | Längere Gemeinsamkeiten von Matthäus und Lukas gegenüber Markus. |
| Dreifachüberlieferung | Eine Geschichte, die in Matthäus, Markus und Lukas steht. |
| Doppelüberlieferung | Eine Geschichte bei Matthäus und Lukas, die bei Markus fehlt. |
| Synopse | Die drei Texte stehen nebeneinander. So sieht man Gleiches und Unterschiede. |
| Deuteromarkus | Eine vermutete zweite Fassung des Markusevangeliums. |
| Deuteromarkushypothese | Die Idee: Matthäus und Lukas nutzten eine andere Markusfassung. |
Das Wort heißt gute Nachricht. Gemeint ist Jesu Botschaft von Gott. So heißen auch die Bücher über Jesus.
Vier Evangelien tragen die Namen Matthäus, Markus, Lukas und Johannes.
Matthäus, Markus und Lukas erzählen viele gleiche Geschichten.
Darum heißen diese drei Evangelien : Man kann sie gut nebeneinander ansehen.
Johannes erzählt ebenfalls von Jesus.
Johannes wählt oft andere Geschichten und längere Gespräche. Darum steht Johannes bei diesem Vergleich nicht in der Dreiergruppe.
Drei Texte nebeneinander heißen .
Eine mögliche Erklärung für Gemeinsamkeiten und Unterschiede heißt . Das ist eine Idee zum Prüfen, noch keine sichere Antwort.
Welche drei Bücher vergleichen wir hier?
Wie kamen die Fragen auf?
Die Menschen verglichen die drei Bücher schon lange.
Im 17. Jahrhundert legten Forscher die Texte nebeneinander. Im 18. Jahrhundert verglichen sie Geschichten, Reihenfolgen und Wörter noch genauer.
Ein einzelner Abschnitt einer Geschichte heißt .
Forschung zur Geschichte dieser Vergleiche.
Im 19. Jahrhundert prüften Forscher verschiedene Erklärungen.
Gab es ein erstes Buch? Nutzten die Schreiber andere Bücher? Jede Antwort führte zur nächsten Frage. Das Bild entstand Schritt für Schritt.
Alle Fragen zusammen heißen .
1. Urevangeliumshypothese
Ein erstes Buch?
Die vermutet ein erstes gemeinsames Buch über Jesus: ein .
Matthäus, Markus und Lukas könnten daraus abgeschrieben haben.
Gotthold Ephraim Lessing vermutete: Das Buch war vielleicht auf geschrieben, einer Sprache aus Jesu Heimat.
Johann Gottfried Eichhorn vermutete mehrere Abschriften. Markus könnte eine kürzere gehabt haben.
Aber: Niemand hat dieses erste Buch gefunden. Und warum wäre Markus so viel kürzer als die anderen beiden?
2. Diegesenhypothese
Viele kleine Berichte?
Vielleicht gab es zuerst viele kleine geschriebene Berichte über Jesus. Solche Berichte heißen .
Friedrich Schleiermacher dachte: Matthäus, Markus und Lukas sammelten sie für ihre Bücher.
Diese Idee heißt oder .
Aber: Wenn jeder selbst sammelte: Warum stehen viele Geschichten in derselben Reihenfolge? Warum sind manche Sätze fast gleich?
3. Traditionshypothese
Eine Geschichte wandert weiter
Vielleicht erzählten Menschen Geschichten über Jesus zuerst weiter. Erst später wurden sie aufgeschrieben. Das nennt man .
Johann Gottfried Herder vertrat diese .
Johann Karl Ludwig Gieseler meinte: Zuerst erzählten Menschen in Jesu Heimatsprache, später auf Griechisch. Beim Weitererzählen können sich Sätze ändern.
Aber: In Matthäus und Lukas stehen manchmal fast dieselben Formulierungen auf Griechisch. Nur durch Weitererzählen ist das schwer zu erklären.
4. Benutzungshypothese
Ein Buch hilft beim nächsten
Die sagt: Wer ein neues Evangelium schrieb, konnte ein älteres lesen und Geschichten übernehmen.
Augustinus von Hippo sah Matthäus zuerst, dann Markus, dann Lukas. Johann Jakob Griesbach setzte Markus ans Ende. Er hielt ihn für eine kurze Fassung der beiden anderen.
Aber: Wer las wen zuerst?
Wenn Markus Matthäus und Lukas kannte, warum ließ Markus so viel weg – sogar Jesu Geburt? Und warum klingt Markus manchmal weniger glatt?
5. Markuspriorität
Markus zuerst?
Die sagt: Das Markusevangelium kam zuerst.
Matthäus und Lukas könnten Markus gelesen und weitere Geschichten ergänzt haben.
Karl Lachmann sah: Die Geschichten stehen oft in ähnlicher Folge. Christian Gottlob Wilke hielt Markus für das erste Buch. Er dachte auch, Matthäus habe Lukas gelesen.
Die Frage, welches Buch zuerst geschrieben wurde, heißt .
Ein Wort oder ein Abschnitt aus Markus ist .
Markus hat weniger Inhalt als Matthäus und Lukas. Diese Textmenge heißt .
Das passt zu „Markus zuerst“, beweist es aber noch nicht.
Gemeinsamkeiten der drei Bücher
Matthäus, Markus und Lukas erzählen viele gleiche Geschichten.
Oft bleibt die Reihenfolge gleich. Manche Sätze klingen fast gleich.
Eine Geschichte in allen drei Büchern heißt .
Eine Geschichte bei Matthäus und Lukas, die bei Markus fehlt, heißt .
Manchmal ändern Matthäus und Lukas dieselbe kleine Stelle bei Markus. Das heißt .
Manchmal teilen sie längere Stücke, die Markus nicht hat. Das sind .
Vergleiche die Beispiele. Die Worte sind auf Deutsch verkürzt; die Links führen zum Bibeltext. Ein Beispiel handelt vom , dem wöchentlichen Ruhetag.
Kleine gemeinsame Änderung (Minor Agreement)
Markus
Mk 14,65 ↗Weissage!
Diese Frage steht hier nicht.
Matthäus
Mt 26,68 ↗Weissage!
Wer hat dich geschlagen?
Lukas
Lk 22,64 ↗Weissage!
Wer hat dich geschlagen?
Die Grenze zwischen „klein“ und „groß“ ist nicht scharf. Ein längerer gemeinsamer Teil kann auch eine Überschneidung zweier vermuteter Quellen sein. Mehr zu diesen Abstufungen.
Unterschiede zwischen den Büchern
Manche Geschichten stehen nur in einem Buch. Das heißt .
Matthäus erzählt von den Sterndeutern. Lukas erzählt vom helfenden Fremden. Markus erzählt von einem Mann, der kaum hören konnte.
Auch Einzelheiten können sich unterscheiden: Wer war am leeren Grab? Vergleiche die Beispiele unten.
Unterschiedliche Einzelheiten
Markus
Mk 16,1–8 ↗Einen jungen Mann
Im Grab
Matthäus
Mt 28,1–8 ↗Einen Engel
Am Stein vor dem Grab
Lukas
Lk 24,1–8 ↗Zwei Männer in hellen Kleidern
Nachdem die Frauen hineingegangen sind
Vielleicht setzte Lukas den Tempel ans Ende, weil Jerusalem in seinem Buch wichtig ist. Sicher wissen wir den Grund nicht. Untersuchung dazu.
Was Markus zuerst noch nicht erklärt
Matthäus und Lukas erzählen auch gemeinsame Geschichten, die nicht bei Markus stehen.
Matthäus und Lukas ändern Markus manchmal auf dieselbe Weise.
Aber: Woher kamen diese gemeinsamen Geschichten und Änderungen?
Die Idee „Markus zuerst“ beantwortet das allein nicht.
6. Zweiquellentheorie
Zwei Bücher als Quellen?
Die vermutet neben Markus ein zweites Buch: . Q steht für Quelle.
Matthäus und Lukas könnten Markus und Q genutzt haben, jeder für sich.
In Q könnten Worte Jesu gestanden haben, sogenannte , die Matthäus und Lukas teilen. Bei Markus fehlen sie.
Darum wird Q auch genannt.
Christian Hermann Weisse brachte diese Idee vor. Heinrich Julius Holtzmann und Paul Wernle arbeiteten daran weiter.
Aber: Niemand hat das zweite Buch gefunden. Und warum ändern Matthäus und Lukas einige Stellen aus Markus auf dieselbe Weise?
7. Deuteromarkushypothese
Noch eine Fassung von Markus?
Die vermutet eine zweite, veränderte Markusfassung: .
Matthäus und Lukas könnten die zweite Markusfassung gelesen haben.
Die gemeinsamen Änderungen hätten schon in dieser Fassung gestanden.
Vielleicht fehlten darin auch Geschichten, die in unserem Markus stehen.
Aber: Niemand hat diese zweite Fassung gefunden. Ob es sie gab, können wir nicht am Buch prüfen.
Sieben Ideen im Überblick
Jede Idee erklärt etwas. Bei jeder bleibt auch eine Frage.
| Idee | Was gab es vielleicht zuerst? | Was bleibt offen? |
|---|---|---|
| ein gemeinsames Buch | Wo ist das erste Buch? Warum ist Markus so kurz? | |
| viele kleine geschriebene Berichte | Warum ist ihre Reihenfolge oft gleich? | |
| weitererzählte Geschichten | Warum sind manche Formulierungen gleich? | |
| schon geschriebene Evangelien | Wer las wen zuerst? Warum ist Markus so kurz? | |
| das Markusevangelium | Woher kommt Gemeinsames bei Matthäus und Lukas, das Markus nicht hat? | |
| Markus und der vermutete Text Q | Wo ist Q? Warum ändern beide Markus manchmal gleich? | |
| eine vermutete zweite Markusfassung | Wo ist diese Fassung? |
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Wissensmix: alles noch einmal
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