Pharisäer, Sadduzäer und Essener: Glaube in Jerusalem
Hier lerne ich
- Pharisäer, Sadduzäer und Essener in den Quellen unterscheiden
- Konflikte in den Evangelien von Aussagen über ganze Gruppen trennen
- erklären, warum ein mögliches Essener-Viertel in Jerusalem unsicher bleibt
Eine Stadt, viele Stimmen
Jerusalem war im ersten Jahrhundert vom Tempel geprägt.
Politische Macht lag bei mehreren Akteuren: beim römischen Prokurator, beim Hohepriester, bei Mitgliedern der herodianischen Familie und beim römischen Statthalter der Provinz Syrien.
Jüdisches Leben war nicht einheitlich. Menschen stritten darüber, wie die Tora zu befolgen sei.
Die Evangelien erzählen von Pharisäern und Sadduzäern. Josephus berichtet von den Essenern.
Was können diese Quellen wirklich über die Gruppen zeigen?
Die Pharisäer in den Evangelien
Die Evangelien erzählen mehrere Gespräche und Konflikte mit Pharisäern.
In Markus 2 geht es um eine Fastenfrage. Der Text sagt, dass Pharisäer fasten, nennt sie aber nicht eindeutig als Fragende. Beim Streit um das Ährenraufen am Sabbat nennt Markus Pharisäer (Markus 2,18–28).
In Markus 7 geht es um Überlieferung und Reinheit (Markus 7,1–23). In Markus 12 fragen Pharisäer zusammen mit Herodianern nach der Steuer an den Kaiser (Markus 12,13–17).
Die Texte zeigen Streit. Sie zeigen auch Gespräche: Ein Pharisäer lädt Jesus zum Essen ein (Lukas 7,36–50).
Aber: Eine Geschichte mit einigen Pharisäern beschreibt nicht automatisch alle Pharisäer.
Lukas berichtet zudem von Pharisäern, die Jesus wegen seines Umgangs mit Zöllnern und Sündern kritisieren. Jesus erzählt daraufhin Gleichnisse (Lukas 15,1–32).
Das zeigt, wie ein Evangelium eine Gruppe in eine Szene einordnet. Es ist kein vollständiges Gruppenporträt.
Ein Festmahl in der Erzählung des Josephus
Josephus erzählt von einem Festmahl, zu dem Johannes Hyrkanos Pharisäer einlädt (Antiquitates 13.289).
Im weiteren Bericht wird Hyrkanos’ Bruch mit den Pharisäern erzählt. Josephus sagt, Hyrkanos habe sich den Sadduzäern zugewandt (Antiquitates 13.296–298).
So entsteht eine Szene aus der Zeit der Hasmonäer. Der Tempel ist frei von seleukidischer Herrschaft. Nun geht es darum, wer religiöse Ordnung und politische Macht prägt.
Aber: Josephus schrieb später über die Ereignisse. Sein Bericht ist eine Quelle, aber kein Augenzeugenprotokoll für jede Einzelheit.
Ordne die Stationen so, wie Josephus sie erzählt.
Die Sadduzäer und die Auferstehung
Die deutlichste Frage, die die Evangelien mit Sadduzäern verbinden, betrifft die Auferstehung.
In Markus 12 stellen Sadduzäer Jesus einen schwierigen Fall. Sie bestreiten die Auferstehung der Toten (Markus 12,18–27).
Auch Matthäus und Lukas erzählen von dieser Frage (Matthäus 22,23–33; Lukas 20,27–40).
Die Apostelgeschichte stellt Sadduzäer und Pharisäer ebenfalls als uneinig über die Auferstehung dar (Apostelgeschichte 23,6–8).
Aber: Von den Sadduzäern ist keine eigene Erklärung dieser Lehre erhalten. Antike Quellen berichten ihren Widerspruch. Sie erklären nicht alle Gründe einheitlich.
Eine Vorlesungsfolie sagt, Sadduzäer hätten die Propheten vollständig abgelehnt. Das ist durch die Datenbank nicht sicher belegt. Gut belegt ist vor allem der Streit über die Auferstehung. Weitergehende Aussagen sollten vorsichtig bleiben.
Ordne die Aussagen nach dem, was die Quellen belegen.
Die Essener: Berichte statt Selbstzeugnisse
Die Evangelien nennen die Essener nicht.
Josephus beschreibt Essener mit gemeinsamem Besitz, gemeinsamen Mahlzeiten und rituellen Waschungen. Josephus berichtet auch von einem Zweig, dessen Mitglieder heirateten.
Darum darf man nicht sagen, alle Essener hätten auf dieselbe Weise gelebt.
Aber: Josephus schrieb als Außenstehender. Auch Philo und Plinius berichten über Essener. Ihre Beschreibungen stimmen nicht in allen Einzelheiten überein.
Die Verbindung zwischen Essenern, Qumran und den Schriftrollen vom Toten Meer ist umstritten. Die ausführliche Seite zu Qumran zeigt, was für und gegen diese Verbindung spricht.
Ein Essener-Viertel in Jerusalem wird in den Vorlesungsunterlagen vermutet. Ein Beleg dafür fehlt. Die Unsicherheit zu Qumran beweist kein Wohnviertel in Jerusalem.
Was unterscheidet die drei Gruppen?
Die Quellen geben uns kein vollständiges Handbuch über die drei Gruppen. Sie zeigen einzelne Streitfragen und Lebensweisen.
| Gruppe | Was zeigen die Quellen? | Grenze unseres Wissens |
|---|---|---|
| Gespräche und Konflikte in mehreren Evangelien | Einzelne Szenen stehen nicht für alle Pharisäer. | |
| Streitgespräche über die Auferstehung | Keine erhaltene Selbstdarstellung ihrer Lehre. | |
| Antike Berichte über gemeinschaftliche Regeln | Berichte von außen; Qumran-Verbindung umstritten. |
Religion und Politik berührten sich. Der Tempel war ein religiöser Ort und stand zugleich in einer umkämpften politischen Ordnung.
Das heißt nicht, dass alle Gruppen dasselbe wollten. Es heißt: Fragen des Glaubens spielten sich nicht außerhalb der Gesellschaft ab.
Welche Aussagen kannst du sicher zuordnen?
Verbinde jede Gruppe mit der Frage, die in den Quellen mit ihr verbunden wird.
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Nennen die Evangelien die Essener?
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