Gegen Antiochos IV.
Ein fremder König verbietet den Glauben.
Ein Festmahl in Jerusalem. Der Gastgeber ist Johannes Hyrkanos. Johannes Hyrkanos ist ein Enkel von Mattatias. Johannes Hyrkanos herrscht über Judäa und ist zugleich .
Zu Gast sind . Johannes Hyrkanos fragt freundlich: Habt ihr an mir etwas auszusetzen?
Da steht ein Gast auf. Der Gast heißt Eleazar. Eleazar sagt: Gib das Amt des Hohepriesters ab!
Stille im Saal.
So erzählt es der Geschichtsschreiber Josephus. Am Ende wendet sich Johannes Hyrkanos von den Pharisäern ab. Johannes Hyrkanos schließt sich den an.
Aber: Ob es genau so war, wissen wir nicht. Josephus erzählt die Szene viel später.
Eines zeigt die Szene trotzdem: Der Tempel ist frei. Aber der Streit ist nicht vorbei. Er hat nur das Thema gewechselt.
Erinnere dich: Gegen Antiochos IV. standen viele zusammen. Für den Tempel und für die .
Dann wurden die Befreier selbst zu Herrschern. Jonathan wurde Hohepriester. Simon auch. Und die Söhne und Enkel ebenso.
Jetzt stellen sich neue Fragen:
Wer darf Hohepriester sein?
Wie lebt man richtig nach der Tora?
Ist der Gottesdienst im Tempel noch rechtmäßig?
Die Familie der Makkabäer ist eine Priesterfamilie. Aber nicht aus der alten Familie, aus der die Hohepriester früher kamen. Diese Familie heißt die .
Für manche ist das ein großes Problem. Dürfen die Befreier des Tempels den Tempel auch leiten?
Man kann die Befreiung gut finden. Und trotzdem die neue Führung ablehnen.
So entstehen verschiedene Gruppen mit verschiedenen Antworten. Eine davon sind die .
Aber: Woher die Essener kommen, ist nicht sicher. Forschende vermuten den Ursprung im Umfeld der . Auch die Pharisäer könnten von dort kommen. Das ist eine , kein sicherer Stammbaum.
Gemeinsam Beide Male geht es um Gott, den Tempel und die Tora.
Ein fremder König verbietet den Glauben.
Man streitet im eigenen Volk.
Wer waren diese Essener?
Überraschung: Im Neuen Testament kommen die Essener nicht vor. Pharisäer und Sadduzäer dagegen sehr oft.
Trotzdem wissen wir mehr über die Essener als über die meisten jüdischen Gruppen dieser Zeit.
Denn antike Schriftsteller haben ausführlich über die Essener geschrieben: Josephus, Philo von Alexandria und Plinius der Ältere. Viel später schreibt auch Hippolyt darüber.
Aber: Diese Schriftsteller beschreiben die Essener von außen. Ein Bericht ist kein Foto. Josephus kennt sogar verschiedene Gruppen von Essenern. Nicht alle lebten gleich.
Die Essener sind eine jüdische religiöse Gruppe. Die Essener leben in einer festen . Die Essener sehen sich als das wahre Volk Gottes.
Die Essener wollen nach der Gerechtigkeit der Tora leben. Also genau so, wie Gott es will.
Der Prophet Jeremia hat einen neuen Bund angekündigt (Jeremia 31,31). Ein ist eine feste Verbindung zwischen Gott und dem Volk. Die Essener glauben: Dieses Volk des neuen Bundes, das sind wir.
Dieser Bund soll am Ende der Tage kommen. Dann greift Gott ein und erfüllt Israels Hoffnung. So eine Hoffnung auf das Ende nennt man .
Für manche gehört dazu auch: Die fremde Herrschaft über die Juden endet, zum Beispiel die Herrschaft Roms.
Aber: Viele Texte aus Qumran sind älter als die römische Herrschaft in Judäa. Nicht jeder Text hofft also auf das Ende Roms.
Ein Leiter erklärt der Gemeinschaft die alten Propheten: der „Lehrer der Gerechtigkeit“. Der Lehrer der Gerechtigkeit sagt: Die Propheten haben von uns gesprochen.
In den Höhlen fand man solche Erklärungen, etwa zum Propheten Habakuk. Man nennt sie . In diesen Texten nennt sich die Gemeinschaft selbst .
Aber: Das ist schon eine Deutung. Ein Prophetenwort ist das eine. Wie eine Gruppe es auf sich bezieht, ist das andere.
Was steht beim Propheten? Und was ist die Deutung der Gemeinschaft?
Wie sah das Leben in so einer Gemeinschaft aus?
Josephus beschreibt das Leben der Essener genau.
Gemeinsamer Besitz: Die Essener teilen alles. Darum gibt es unter den Essenern keine bittere Armut. Und keinen übertriebenen Reichtum.
Gehorsam: Wer Essener wird, sagt freiwillig Ja. Ja zu den Regeln. Und Ja zu den Leitern der Gemeinschaft. Fast der ganze Alltag folgt deren Anweisungen.
Nur zwei Dinge darf jeder selbst entscheiden:
Erstens: Menschen in Not helfen.
Zweitens: Barmherzig sein.
Und die eigene Familie? Manche sagen: Die Essener durften ihren Eltern nicht helfen.
Das stimmt so nicht. Bei Josephus steht: Wer Verwandten etwas geben will, braucht die Erlaubnis der Leiter.
Ein einziges Wort ändert alles. „Nicht erlaubt“ ist etwas anderes als „nur mit Erlaubnis“. Darum lohnt es sich, beim Lesen genau auf jedes Wort zu achten.
Spannend ist: Die Essener ordnen sich ganz unter. Aber ausgerechnet Hilfe und Barmherzigkeit bleiben jedem selbst überlassen.
Eine mögliche Deutung: Dass man hilft, steht fest. Wem, wann und wie, das muss jeder selbst sehen.
Was meinst du? Warum lässt eine so strenge Gemeinschaft gerade hier jedem die Wahl?
Was berichtet Josephus über die Essener?
Und dann, fast 2000 Jahre später, sucht ein Hirte eine Ziege.
1947. In der Wüste am Toten Meer suchen Hirten eine entlaufene Ziege.
In einer Höhle finden die Hirten Tonkrüge. Darin liegen sieben uralte Schriftrollen.
Das ist der Anfang einer großen Suche. Bis 1956 findet man Schriftreste in elf Höhlen. Man nennt sie die , kurz auch Totenmeerrollen.
Die Höhlen bekommen Nummern. 1Q heißt: Qumran, Höhle 1.
| Höhle | Gefunden | Was lag darin? |
|---|---|---|
| 1Q | 1947 | Die ersten sieben Rollen, darunter Jesaja, eine Gemeinderegel und eine Erklärung zum Propheten Habakuk |
| 2Q | 1952 | Stücke biblischer Bücher und anderer religiöser Texte |
| 3Q | 1952 | Die Kupferrolle. Sie nennt Verstecke für angebliche Schätze. |
| 4Q | 1952 | Der größte Fund: Tausende Stücke aus Hunderten Handschriften |
| 5Q und 6Q | 1952 | Biblische Texte und Texte der Gemeinschaft; in 6Q viel Papyrus |
| 7Q bis 10Q | 1955 | Kleine Funde: in 7Q griechische Texte, in 10Q nur eine beschriftete Tonscherbe |
| 11Q | 1956 | Unter anderem die Tempelrolle, eine Psalmenrolle und Hiob auf Aramäisch |
Aber: Elf Höhlen heißt nicht elf Bibliotheken. Meist sind es nur kleine Stücke, sogenannte .
Die erhaltenen Rollen stammen aus der Zeit vom 3. Jahrhundert v. Chr. bis 68 n. Chr.
In der Nähe der Höhlen liegt eine ausgegrabene Siedlung: Qumran. Gegründet wurde sie wohl in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts v. Chr. Aufgegeben wurde sie um 68 n. Chr., als römische Truppen kamen. Vielleicht lebten dort 150 bis 200 Menschen. Das ist aber nur eine Schätzung.
Warum lagen die Rollen überhaupt in Höhlen? Vielleicht wurden sie dort aufbewahrt. Vielleicht wurden sie vor den Römern versteckt. Vielleicht beides. Nicht alle Rollen kamen wohl zur selben Zeit in die Höhlen.
Haben also Essener in Qumran die Rollen geschrieben?
Hier passiert schnell ein Fehler. Man denkt: Essener = Qumran = Schriftrollen. Alles ein und dasselbe.
Besser: erst drei Dinge trennen. Dann fragen, was sie verbindet.
Die Essener: eine Gruppe, die wir aus Berichten kennen.
Qumran: eine Siedlung, die Forschende ausgegraben haben. Mit dieser Wissenschaft, der , erforscht man alte Funde.
Die Schriftrollen: Funde aus den Höhlen.
Was spricht für eine Verbindung?
Die Höhlen liegen nahe bei der Siedlung. In beiden findet man ähnliche Tonkrüge. Manche Rollen beschreiben eine Gemeinschaft mit gemeinsamem Besitz, strenger Aufnahme und Reinheitsregeln. Genau das berichten antike Schriftsteller auch über die Essener.
Darum sagen viele Forschende: Wahrscheinlich lebte in Qumran eine Gemeinschaft, die zu den Essenern gehörte. Wahrscheinlich bewahrte diese Gemeinschaft die Rollen in den Höhlen auf.
Aber: Andere Forschende widersprechen. Kein Fund trägt die Aufschrift „Wir sind Essener“.
Und: Nicht alle Rollen wurden dort geschrieben. Viele sind Abschriften älterer biblischer Bücher. Sammeln, abschreiben und selbst schreiben sind drei verschiedene Dinge.
Ist das ein Fund, ein antiker Bericht oder eine heutige Deutung?
Die Rollen aus den Höhlen sind ein Schatz für alle, die die Bibel verstehen wollen.
Ein Fenster in die Zeit Jesu. Die Rollen stammen aus der Zeit vor Jesus und aus Jesu Zeit. Sie zeigen, wie vielfältig das Judentum damals war: Pharisäer, Sadduzäer, Essener und andere Gruppen.
Viele Bücher der Bibel. In den Höhlen liegen Abschriften von fast allen Büchern des Alten Testaments. Zum Beispiel eine fast vollständige Rolle des Propheten Jesaja.
Auslegung wie in der Bibel. Die Gemeinschaft liest alte Prophetenworte und bezieht sie auf die eigene Zeit. Auch das Neue Testament liest die Propheten so und bezieht sie auf Jesus.
Aber: Ähnliche Gedanken heißen nicht, dass Jesus oder die ersten Christen aus Qumran kamen. Gemeinsam ist vor allem die jüdische Welt, in der alle lebten.
Die Rollen liegen jetzt auf dem Tisch. Doch wie alt sind die Texte darauf? Und warum unterscheiden sich manche Fassungen?
Was gehört zusammen?
Wie wurden die ersten Schriftrollen 1947 entdeckt?
Welche Gruppe nennt das Neue Testament nicht?