Alte Bibeltexte: Hebräisch, Griechisch und die Qumran-Rollen

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Hier lerne ich

  • Entstehung, Übersetzung und Abschrift eines Textes zu unterscheiden
  • wo Septuaginta und Qumran-Rollen im Vergleich zu Jesus stehen
  • warum sich alte Bibeltexte unterscheiden können

Tausend Jahre auf einen Schlag

Stell dir vor, du bist Bibelforscher. Es ist 1946.

Die ältesten vollständigen hebräischen Bibeln, die du kennst, sind rund 1000 Jahre alt. Zum Beispiel der von Leningrad. Er wurde um das Jahr 1008 n. Chr. geschrieben.

Ein Jahr später finden Hirten bei Qumran eine Rolle des Propheten Jesaja. Sie ist mehr als tausend Jahre älter.

Plötzlich kannst du vergleichen: Haben die Schreiber über tausend Jahre sauber abgeschrieben?

Die Antwort: erstaunlich genau. Aber nicht Buchstabe für Buchstabe gleich.

Doch Vorsicht. Eine sehr alte Rolle ist noch lange nicht das Original.

Ein Text, mehrere Daten

Bei jedem alten Bibeltext muss man mehrere Fragen trennen:

Wann wurde der Text geschrieben? Das ist die Entstehung.

Wann wurde er übersetzt? Zum Beispiel ins Griechische.

Wann wurde genau diese Rolle abgeschrieben? Das ist das Alter der .

Wann hat man sie gefunden? Das ist das Funddatum.

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Vier Comicfelder an einem Zeitpfeil: geschrieben: Jesaja schreibt auf eine Rolle, viele Jahrhunderte vor Jesus. übersetzt: Zwei Gelehrte in Alexandria übertragen eine Rolle ins Griechische, auf der neuen Rolle steht NOMOS, 3. Jahrhundert v. Chr. abgeschrieben: Ein Schreiber kopiert eine Rolle Wort für Wort, 3. Jh. v. Chr. bis 1. Jh. n. Chr. gefunden: Ein Hirte und ein Archäologe vor einer Höhle mit Krügen, 1947. Die kleine Figur sagt: Alte Rolle heißt nicht: Original.

Eine beweist: Spätestens damals gab es diesen Text. Sie beweist nicht, dass der Text erst damals entstand.

Darum nennt man jede alte Handschrift einen . Sie bezeugt, wie der Text zu ihrer Zeit lautete.

Um welches Datum geht es?

Zwei Wege: Hebräisch und Griechisch

Die Schriften Israels sind auf zwei großen Wegen zu uns gekommen.

Der hebräische Weg. Juden schreiben die heiligen Schriften immer wieder ab. Jahrhunderte später achten jüdische Gelehrte besonders genau auf jedes Zeichen. Man nennt sie . Ihr Text heißt der . Die großen erhaltenen Bücher dieses Textes stammen aus dem frühen Mittelalter.

Aber: Der Text selbst ist viel älter als diese Bücher.

Der griechische Weg. In Alexandria übersetzen Juden ihre Schriften ins Griechische, in die . Zuerst die , wahrscheinlich im 3. Jahrhundert v. Chr. Das ist rund 200 bis 300 Jahre vor Jesus. Die anderen Bücher folgen über lange Zeit.

So entsteht die . Die Septuaginta ist eine jüdische Übersetzung. Keine christliche.

Und die Qumran-Rollen? Die meisten sind hebräisch. Einige sind aramäisch, wenige griechisch. In Höhle 7 fand man sogar griechische Stücke aus dem 2. Buch Mose.

Die Rollen stammen aus der Zeit vom 3. Jahrhundert v. Chr. bis 68 n. Chr. Viele sind also älter als Jesus. Manche stammen aus Jesu Zeit.

Aber: Die Septuaginta wurde nicht aus den Qumran-Rollen übersetzt. Beide sind eigene Zeugen einer noch älteren Überlieferung. Und die Forschung datiert immer genauer: Eine Studie von 2025 hält manche Rollen für noch älter als bisher gedacht.

Was ist älter? Lege die Ereignisse in die richtige Reihenfolge.

Warum sind alte Texte manchmal verschieden?

Vergleicht man Handschriften, findet man Unterschiede. Mal ein Wort. Mal ein ganzer Satz. So eine abweichende Stelle heißt .

Woran kann das liegen? Es gibt vier Möglichkeiten.

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Vier Comicfelder: andere Vorlage: Eine Figur zeigt auf zwei Rollen, an derselben Stelle steht einmal ein blaues, einmal ein rotes Wort. verschrieben: Ein müder Schreiber gähnt, ein Tintenklecks fällt, in der Abschrift fehlt ein Stück. anders übersetzt: Das Wort Bank führt zu einer Parkbank und zu einem Bankgebäude. gedeutet: Ein Lehrer sagt zu einer Gruppe: Das meint uns heute! Die kleine Figur hält eine Lupe über eine Zeile: Genau aufs Wort achten.

Eine andere . Der Übersetzer hatte einen hebräischen Text mit anderem Wortlaut vor sich. Die Qumran-Rollen zeigen: Solche Fassungen gab es wirklich.

Ein Fehler beim Abschreiben. Ein Schreiber ist müde. Ein Buchstabe fällt weg. Eine Zeile wird übersprungen.

Eine andere Übersetzung. Ein Wort hat mehrere Bedeutungen. Der Übersetzer muss sich entscheiden. Manche Übersetzer bleiben ganz nah am Wort. Andere übersetzen freier.

Eine Deutung. Eine Gemeinschaft liest den Text und bezieht ihn auf die eigene Zeit. Das kennst du von den Essenern.

Aber: Nicht jeder Unterschied ist eine bewusste Veränderung. Oft ist die einfachste Erklärung die richtige.

Welche Erklärung passt?

Wortwerkstatt: Junge Frau oder Jungfrau?

Jetzt wird es spannend. Wir schauen auf ein einziges Wort.

Beim Propheten Jesaja steht ein Satz über ein Zeichen: Eine Frau wird schwanger und bekommt einen Sohn. Der Sohn soll Immanuel heißen (Jesaja 7,14).

Im Hebräischen steht für die Frau das Wort ʿalmā. Es bedeutet zuerst: junge Frau.

Die Septuaginta übersetzt mit dem griechischen Wort παρθένος (parthenos). Das heißt meist: Jungfrau. Es kann aber auch einfach ein junges Mädchen meinen.

Das Matthäusevangelium zitiert den Satz auf Griechisch. Matthäus nimmt das Wort παρθένος und bezieht es auf Maria (Matthäus 1,23).

Und heute? Deutsche Bibeln entscheiden verschieden. Vergleiche selbst:

Übersetzungsentscheidung

Gleich Anders oder zusätzlich Fehlt im Abschnitt

Lutherbibel 2017

Jes 7,14 ↗
Wer wird schwanger?

eine Jungfrau

Name des Sohnes

Immanuel

Zürcher Bibel

Jes 7,14 ↗
Wer wird schwanger?

die junge Frau

Name des Sohnes

Immanu-El

Gute Nachricht

Jes 7,14 ↗
Wer wird schwanger?

die junge Frau

Name des Sohnes

Immanuël

Matthäus (Luther)

Mt 1,23 ↗
Wer wird schwanger?

eine Jungfrau

Name des Sohnes

Immanuel

Die Lutherbibel folgt hier der griechischen Übersetzung und Matthäus: Jungfrau. Die Zürcher Bibel und die Gute Nachricht folgen dem hebräischen Wort: junge Frau.

Halte beim Lesen drei Dinge auseinander: den Text, die Übersetzung und die Deutung.

EbeneJesaja 7,14
Texthebräisch: ʿalmā – griechisch: παρθένος
Übersetzungeine Jungfrau (Luther) oder die junge Frau (Zürcher Bibel)
DeutungMatthäus bezieht das Wort auf Maria.

Was lernen wir daraus? Vor dem Urteil stehen ein paar Fragen:

Welche Form hat das Wort? Fall, Zahl und Zeit grenzen die Möglichkeiten ein.

Was bedeutet das Wort hier? Das Wörterbuch zeigt Möglichkeiten. Der Zusammenhang entscheidet mit.

Welche Vorlage wird übersetzt? Vielleicht lautete der Text an dieser Stelle anders.

Wie arbeitet der Übersetzer? Wörtlich oder frei?

Welche Überzeugungen spielen mit? Der eigene Glaube kann die Wahl beeinflussen. Das ist nicht schlimm. Man sollte es aber offen sagen.

Wie sicher ist die Entscheidung? Nicht jede Möglichkeit ist gleich gut begründet.

Was meinst du? Warum ist es gut, wenn eine Bibel bei so einer Stelle eine Fußnote hat?

Was weißt du über das Wort in Jesaja 7,14?

Was bedeutet das für die Bibel?

Die Bibel ist gut überliefert. Die Qumran-Rollen zeigen: Der hebräische Text wurde über tausend Jahre sehr sorgfältig abgeschrieben.

Es gab mehrere Fassungen. Zur Zeit Jesu lagen manche Bücher in leicht verschiedenen Formen vor. Die Septuaginta bewahrt manchmal eine andere hebräische Vorlage.

Das Neue Testament liest griechisch. Viele Zitate im Neuen Testament folgen der Septuaginta. Wer das Neue Testament verstehen will, braucht auch die Septuaginta.

Übersetzen heißt entscheiden. Jede Bibel in deiner Sprache ist eine Übersetzung. Darum lohnt es sich, auf das einzelne Wort zu achten. Und mehrere Übersetzungen zu vergleichen.

Aber: Unterschiede machen die Bibel nicht wertlos. Sie zeigen nur, dass Menschen sie mit großer Sorgfalt weitergegeben haben. Und dass man genau lesen muss.

Schon gewusst?

Hättest du das gedacht?

Frage 1 von 5

Ist die Septuaginta eine christliche Übersetzung?

Was weißt du über alte Bibeltexte?

Wissensmix

Frage 1 von 12

Eine sehr alte Rolle ist automatisch das Original.

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