Für wen war das Markusevangelium gedacht?

Ich lerne Theologie spielerisch · Public Learning

Hier lerne ich

  • Hinweise auf jüdische und nichtjüdische Lesende sowie mögliche Gemeindeprobleme einordnen
  • gesicherte Aussagen von Deutungen und offenen Fragen trennen

5. Für wen war das Evangelium gedacht?

Kurzantwort: Wir kennen die erste Gemeinde nicht genau. Eine Forschungs-:FachwortHypothese nimmt überwiegend griechischsprachige Nichtjuden an. Vielleicht gehörten auch jüdische Christinnen und Christen dazu.

Das Markusevangelium nennt seine ersten Leserinnen und Leser nicht. Forschende erschließen mögliche Empfänger aus Sprache und Erzählung.

Eine Deutung hält eine Gemeinde mit vielen Nichtjuden für wahrscheinlich. Dafür sprechen Erklärungen jüdischer Bräuche und die Übersetzung aramäischer Wörter ins Griechische. Diese Deutung nimmt griechischsprachige Leser an und rechnet zugleich mit jüdischen Christinnen und Christen in derselben Gemeinde.

Das Markusevangelium erklärt mehrfach auf Griechisch. Dazu gehören Markus 3,17; 5,41; 7,11.34; 9,43; 14,36; 15,22.34. Es erläutert auch jüdische Bräuche und Festtage (7,3–4; 14,12; 15,42). Solche Erklärungen passen zu Menschen, die diese Ausdrücke oder Bräuche nicht alle aus dem Alltag kannten.

Die Erzählung schließt Nichtjuden sichtbar ein. Jesus wirkt auch in Gebieten außerhalb Galiläas. Ein römischer Hauptmann bekennt am Kreuz, Jesus sei Gottes Sohn (Markus 15,39).

Jesus geht in das Gebiet der Gerasener. Der geheilte Mann soll zu Hause erzählen, was geschehen ist. Seine Nachricht verbreitet sich in der Dekapolis (Markus 5,1–20). Später heilt Jesus die Tochter einer nichtjüdischen Frau und einen gehörlosen Mann in der Nähe der Dekapolis (Markus 7,24–37). Dann speist Jesus dort eine große Menge (Markus 8,1–10). Markus erzählt so, wie Jesu Wirken Grenzen überschreitet.

Auch die Jünger werden ausgesandt, um zu verkünden und zu heilen (Markus 6,6–13). Das kann zu einer Gemeinde passen, die ihre eigene Aufgabe als Mission verstand. Es bleibt aber eine Deutung des Erzählzusammenhangs.

Bild vergrößert
Jüdische und nichtjüdische Gruppen sitzen an einem Tisch; eine Leserin betrachtet die Erklärung von Talita kum; die Lernfigur fragt nach den ersten Lesenden und erinnert: Hinweise, kein Mitgliederverzeichnis.

Aber: Diese Hinweise beweisen nicht, wie viele jüdische oder nichtjüdische Menschen die Gemeinde umfasste. „Vorwiegend nichtjüdisch“ bleibt eine Forschungshypothese.

Ein gemeinsamer Tisch verlangt Entscheidungen

Markus erzählt von Tischgemeinschaft mit Zöllnern und anderen Menschen (2,15–16; 7,24–30). Er erzählt außerdem von Streit um Reinheit und Speisen (7,1–23), um Fasten (2,18–22) und um den Sabbat (2,23–28; 3,1–6). Diese Szenen lassen sich als Fragen einer gemischten Gemeinde lesen: Wie können Menschen jüdischer und nichtjüdischer Herkunft gemeinsam essen und leben?

Markus 7,15 und 7,18–23 rücken die Frage nach dem Menschen und seinen Taten in den Mittelpunkt. Das kann als neue Praxis für eine gemischte Gemeinschaft verstanden werden. Es ist keine Beschreibung einer konkreten Gemeindeordnung.

Das Gesetz bleibt dabei nicht einfach verschwunden. Markus 10,1–12 und 10,17–27 behandeln Gebote der Tora. In Markus 12,28–34 stehen die Liebe zu Gott und zum Nächsten im Mittelpunkt. Markus verwendet das griechische Wort nomos („Gesetz“) nicht; daraus folgt aber nicht, dass das Buch alle jüdischen Gebote ablehnt.

Gemeinsam leben und essen

Eine Deutung liest Markus 7 als Antwort auf Fragen zu Reinheit und gemeinsamem Essen. Sie vermutet, dass Menschen mit jüdischer und nichtjüdischer Herkunft in der Gemeinde zusammenlebten.

Rituelle Unreinheit bedeutet dabei nicht automatisch persönliche Schuld. Die Forschung unterscheidet religiöse Reinheitsregeln von moralischem Fehlverhalten. Levitikus 11–15 behandelt unter anderem Speisegebote und körperliche Zustände.

Diese Lesart verbindet mehrere Szenen. Dazu gehören die Gespräche über reine und unreine Speisen (Markus 7,1–23), die Begegnung mit einer nichtjüdischen Frau (7,24–30) und die Speisung in der Dekapolis (8,1–10).

Aber: Das ist eine Deutung des Textes. Markus nennt an diesen Stellen keine konkrete Gemeinde und beschreibt keine Mitgliederliste.

Wähle die vorsichtige Aussage.

Was verrät Markus über mögliche Streitfragen?

Markus zeichnet keine konkrete Gemeindekrise mit Namen und Ort. Markus 10,1–45 und 12,13–17 enthalten Ermahnungen, die auch allgemeiner für Christinnen und Christen gelten können. Ein scharfer innerer Streit ist hier nicht erkennbar.

Deutlicher spricht Markus 13 vor falschen Rettern und falschen Propheten. Manche könnten bestimmte Zeiten oder Orte für Jesu Wiederkunft verkündet haben (13,5–6.21–23). Markus hält dagegen: Niemand kennt den Zeitpunkt. Auch diese Warnung ist ein Hinweis auf mögliche Fragen der Lesenden, kein sicherer Bericht über eine konkrete Gruppe.

Die Spuren zeigen mögliche Leser, aber kein Datum

Wer die Leser waren, bleibt offen. Auch die Zeit des Schreibens muss aus Hinweisen erschlossen werden.

Zum Nachschlagen

Fremdwörter dieser Seite
Wissensnetz zu Markusevangelium

Hast Du einen Fehler entdeckt? Bitte schreibe mir