Warum wohnt ein weibliches Wort im O-Haus?

Ich lerne Altgriechisch spielerisch · Public Learning

Hier lerne ich

  • verstehen, wozu A- und O-Deklination helfen
  • Haus und Klingel auseinanderhalten
  • Wörter dem A-Haus oder O-Haus zuordnen

Warum ändern Wörter ihre Endung?

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Vier Comicfelder: Ein Lernender sieht viele Wortkarten mit verschiedenen Endstücken und ist verwirrt. Dann erkennt er, dass die Endstücke in zwei wiederkehrende Gruppen passen. Er sortiert die Karten und freut sich über die Ordnung.

Im Deutschen sagen wir der Hund und des Hundes. Hinten am Wort ändert sich etwas. Das hilft bei der Frage: Wer? oder Wessen?

Im Altgriechischen passiert das ebenfalls. Aus ὁ λόγος („das Wort“) wird bei „Wessen?“ τοῦ λόγου. Der Artikel ὁ wird zu τοῦ. Das Nomen λόγος wird zu λόγου.

Muss man nun für jedes Wort jede Form einzeln erraten? Zum Glück nicht. Viele Wörter verändern ihre Endungen nach demselben Muster. Eine Gruppe solcher Muster heißt .

Die Namen O-Deklination und A-Deklination helfen dir, die passenden Endungen schneller zu finden. Das ist wie eine Schublade mit einem Plan für Wortformen. Aber sagt die Schublade auch, ob ein Wort männlich oder weiblich ist?

Zwei Häuser und eine Klingel

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Vier Comicfelder: Ein Lernender sieht zwei Häuser mit verschiedenen Dachmustern und sichtbaren Klingeln. Eine Wortkarte passt zum Haus mit runden Dachzeichen. An dessen Tür entdeckt er überrascht verschiedene Klingelschilder. Schließlich betrachtet er Haus und Klingel getrennt.

Stell dir zwei Häuser vor. Im O-Haus wohnen Wörter mit dem Endungsmuster der O-Deklination. Im A-Haus wohnen Wörter mit dem Endungsmuster der A-Deklination. Das Haus sagt also: Wie verändert sich dieses Wort?

An der Tür hängt eine Klingel mit einem Schild. Auf dem Schild steht der Artikel: in der Grundform zum Beispiel ὁ, ἡ oder τό. Der Artikel sagt dir unter anderem, ob das griechische Wort männlich, weiblich oder sächlich ist.

Haus und Klingel beantworten verschiedene Fragen. Das Haus gehört zur Endungsfamilie des Nomens. Die Klingel zeigt den Artikel. Du musst beides ansehen.

Zwei Häuser mit verschiedenen Klingelschildern

O-Haus

O-Deklination: Viele Formen haben einen O-Laut.

ὁλόγοςdas Wort
ἡἄμπελοςder Weinstock
τὸδῶρονdas Geschenk

A-Haus

A-Deklination: Im Stamm steckt oft ein A-Laut; manchmal steht η.

ἡχώραdas Land
ἡτιμήdie Ehre
ὁνεανίαςder junge Mann

Das Haus zeigt die Endungsfamilie. Die Klingel zeigt den Artikel.

Siehst du die Überraschung? Im O-Haus gibt es ὁ, ἡ und τό. Auch im A-Haus können verschiedene Artikel stehen. Warum erwartet man dann so leicht, dass ἡ immer zum A-Haus gehört?

„ἡ? Dann muss es doch ins A-Haus!“

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Vier Comicfelder: Ein Lernender sieht an einer Wortkarte zwei getrennte Zeichen, links für den Artikel und rechts für die Endung. Beide können sich ändern. Erst beachtet er nur die Endung; dann erkennt er, dass er beide Hinweise lesen muss.

Dieser Gedanke klingt zunächst vernünftig: Viele Wörter im A-Haus sind weiblich. ἡ χώρα ist weiblich und gehört zur A-Deklination.

Aber ἡ ἄμπελος ist ebenfalls weiblich und wohnt im O-Haus. ἡ ist der weibliche Artikel an der Klingel. -ος gehört hier zum Endungsmuster des Nomens. Das ist kein Fehler: Die zwei Hinweise sagen etwas Verschiedenes.

Auch ὁ νεανίας überrascht: Der Artikel ὁ ist männlich, doch das Wort gehört zur A-Deklination. Das Haus ist keine Liste von Geschlechtern.

Wenn sich der Fall ändert, gehen Artikel und Nomen zusammen mit:

ἡ ἄμπελος → τῆς ἀμπέλου

Gelb zeigt den Artikel, Türkis die Endung des Nomens. Bei „Wessen?“ ändern sich beide. Das Wort bleibt weiblich und bleibt im O-Haus. Genau das verwirrt am Anfang: Auch die Klingel ändert ihre Aufschrift, obwohl das Haus dasselbe bleibt.

Wort in der GrundformWessen?Haus
ὁ λόγοςτοῦ λόγουO-Haus
ἡ ἄμπελοςτῆς ἀμπέλουO-Haus
τὸ δῶροντοῦ δώρουO-Haus
ἡ χώρατῆς χώραςA-Haus
ἡ τιμήτῆς τιμῆςA-Haus
ὁ νεανίαςτοῦ νεανίουA-Haus

Schau auf die ersten beiden Zeilen: τοῦ λόγου und τῆς ἀμπέλου enden beim Nomen beide auf -ου. Der Artikel verrät dir zusätzlich: λόγος ist männlich, ἄμπελος weiblich.

So entwirrst du es: Frage zuerst nach der Endungsfamilie des Nomens: Welches Haus? Dann kannst du andere Formen nach diesem Muster bilden, statt jede einzeln zu raten. Frage auch nach dem Artikel: Was steht an der Klingel? Für den Fall liest du beide Formen zusammen. Über den Knopf Blitzspiel an der Tabelle kannst du das Hausspiel wählen.

Vier Überraschungen im O-Haus

Die folgenden Wörter sind weiblich und gehören trotzdem zur O-Deklination. Lerne sie mit ἡ, damit du die Klingel nicht vergisst.

Wort in der GrundformDeutschHaus
ἡ ἄμπελοςder WeinstockO-Haus
ἡ ἔρημοςdie WüsteO-Haus
ἡ ΑἴγυπτοςÄgyptenO-Haus
ἡ παρθένοςdie JungfrauO-Haus
ὁ λόγοςdas WortO-Haus
ἡ χώραdas LandA-Haus

Beim Genitiv bleiben die vier Wörter im selben Haus: τῆς ἀμπέλου, τῆς ἐρήμου, τῆς Αἰγύπτου, τῆς παρθένου. Der Artikel ist weiblich; die Endung folgt dem O-Muster.

Hausspiel: Wer wohnt wo?

Jetzt taucht ein Wort nach dem anderen auf. Tippe auf das O-Haus oder das A-Haus. Schau auf die Wortform, nicht allein auf ὁ oder ἡ. Nach einer falschen Wahl bleibt das Wort liegen und du kannst es noch einmal versuchen.

Welches Endungsmuster hat das Wort? Wähle sein Haus.

Und was steht an der Klingel?

Das Haus kennst du nun. Wähle jetzt den Artikel der Grundform. Bei Wörtern auf -ος kann ὁ oder ἡ stehen.

Welcher Artikel gehört in der Grundform zu diesem Wort: ὁ, ἡ oder τό?

Merke: Das Haus hilft dir bei den Endungen. Die Klingel zeigt dir den Artikel. Beide zusammen helfen dir, die Form zu lesen.

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