Proklitika und Enklitika: Wörter unter dem Regenschirm

Ich lerne Altgriechisch spielerisch · Public Learning

Hier lerne ich

  • Akzent und Spiritus sicher auseinanderhalten
  • erkennen, wohin sich Proklitika und Enklitika anlehnen
  • den zweiten Akzent in ἄνθρωπός τις erklären

Ein Schirm – und ein Windhauch

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Drei Comicfelder: Die weiße Figur geht mit gelbem Regenschirm durch den Regen. Daneben weht ein blauer Windhauch. Am Ende zeigt sie auf Schirm und Wind als zwei verschiedene Dinge.

Es regnet. Ein griechisches Wort trägt einen gelben Schirm. Plötzlich weht ihm etwas ins Gesicht. Ist das ein zweiter Schirm?

Nein. Der Regenschirm steht in unserer Geschichte für einen geschriebenen . Der Windhauch steht für den . Das sind zwei verschiedene Zeichen.

Schau auf ὁ („der“): Über dem ο steht ein Spiritus asper, also ein Hauchzeichen. Ein Akzent steht dort nicht. ὁ hat in der Geschichte Wind, aber keinen eigenen Schirm.

Wie die drei Akzente aussehen und wann der Spiritus ein h anzeigt, erklären die beiden Zeichenseiten. Hier verfolgen wir die Wörter, die ohne eigenen Schirm weitergehen. Wohin laufen sie?

Zwei Wege durch den Regen

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Zwei Comicfelder: Links läuft eine kleine Figur nach rechts unter den Schirm der nächsten Figur. Rechts läuft eine kleine Figur nach links unter den Schirm der vorigen Figur. Pfeile zeigen die entgegengesetzten Wege.

Nach vorn: In ὁ λόγος („das Wort“) steht ὁ links. Es lehnt sich beim Akzent an das folgende Wort λόγος an. Solche Wörter heißen .

Die kleine Gruppe normalerweise akzentloser Wörter wie ὁ, ἡ und ἐν heißt auch . Ein Hauchzeichen wie bei ὁ zählt dabei nicht als Akzent.

Nach hinten: In λόγος τις („ein gewisses Wort“) steht τις rechts. Es lehnt sich beim Akzent an das vorhergehende Wort λόγος an. Solche Wörter heißen .

Die Wörter laufen natürlich nicht wirklich. ὁ und τις bekommen durch das Anlehnen auch nicht automatisch einen eigenen geschriebenen Akzent. Die Schirme helfen dir, die Richtung zu behalten.

Proklitika lehnen sich an das folgende Wort an, Enklitika an das vorhergehende.

Doch warum taucht manchmal auf dem großen Wort plötzlich ein zweiter Schirm auf?

Ein zweiter Schirm – aber für wen?

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Zwei Comicfelder: Eine größere Figur hält zuerst einen gelben Schirm, während die kleine Figur daneben im Regen steht. Danach hält die große Figur zwei Schirme, und die kleine steht geschützt darunter, ohne selbst einen Schirm zu halten.

Zuerst steht ἄνθρωπος („Mensch“) allein. Sein Akut sitzt ganz vorn, auf der drittletzten Silbe: ἄν-θρω-πος.

Dann kommt das kleine Enklitikon τις hinzu: ἄνθρωπός τις – „ein gewisser Mensch“.

Siehst du den neuen Akut auf πός? Beide Akzente stehen auf ἄνθρωπος. Auf τις steht keiner. Das große Wort spannt in diesem Fall einen zweiten Schirm auf. τις gibt keinen Akzent ab; es hatte hier keinen eigenen geschriebenen Akzent.

Weil der erste Akut von ἄνθρωπος so weit vorn steht und τις sich eng anschließt, bekommt das große Wort nach der Akzentregel einen zusätzlichen Akut am Ende. Nicht jedes Enklitikon löst so einen zweiten Akzent aus.

Vergleiche ἄνθρωπος mit ἄνθρωπός τις. Wo steht der neue Akut?

Was die Schirme nicht versprechen

Die Regenschirme sind ein Merkbild für geschriebene Akzente. Sie zeigen nicht, dass zwei Wörter dieselbe betonte Silbe oder denselben gedruckten Akzent hätten. Im alten Griechisch ging es bei den Akzenten ursprünglich um Tonhöhe.

Auch kleine Wörter sind nicht in jeder Umgebung akzentlos: In φίλοι τινές behält τινές einen eigenen Akzent. In εἴ τις bekommt das sonst meist akzentlose εἰ einen Akut.

Für den Anfang reicht die sichere Spur: Proklitika → nach vorn, Enklitika ← nach hinten. Bei ἄνθρωπός τις gehören beide Akzente zum großen Wort.

Die Regeln in einer Grammatik nachlesen

Die Beispiele und Ausnahmen stehen in Smyths Grammatik zu Proklitika und Enklitika, besonders in den Abschnitten 179–184. Auch die Erklärung der Akzente bei Enklitika zeigt den zweiten Akut.

Das gibt es außerdem

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